Das Bild zeigt die Kunst-Dozentin Isabella Moser. Sie steht vor einer bunten Malwand, Direkt neben ihr ein lilafarbenes Herz. Isabella Moser ist bekleidet mit einer langen schwarz-gelben Strickjacke. Sie hat ihre Haare streng zurückgekämmt und zusammengebunden und trägt eine Brille

Menschen im IfSB – Isabella Moser

Etwas Neues wollte sie in Sachen Kunst am Institut für Soziale Berufe (IfSB) entwickeln. Denn, Kreativität sei wichtig für unsere Zukunft, ist sich die Kunstlehrerin Isabella Moser sicher. Das bedeutet, schon die Kleinsten in den Kitas sollen ihre eigene Fantasie frei erfahren und entwickeln können.

Ein pinkes Herz überlagert grünliche Striche. Hier ein unbekanntes Zeichen oder ein verdrehter Buchstabe, farbige Handabdrücke, an einer Stelle ist auch ein Blümchen zu finden. Die Wände im Kunstraum sind – was sonst – bunt. Die vielen Farben und Formen machen sie lebendig. Die Farbschichten spiegeln das unterschiedliche Entstehungsalter wider. Mit einer „Straße“ aus Materialien und Werkzeug, Papier und Karton, Stiften und Farben, Faden und Nadeln erwartet Isabella Moser hier mitunter die Auszubildenden der Pädagogik in den Kunsträumen im IfSB. Die angehenden Erzieherinnen und Erzieher sind nicht selten erst einmal perplex über die große Freiheit, die sie bekommen. Diese „Bewegungsfreiheit“ ohne vorgegebenes Thema gehört zur Arbeitsweise der Kunstlehrerin. Zu Beginn gibt sie nach dem Brainstorming lediglich Ideen mit auf den kreativen Weg und zeigt Möglichkeiten auf. Dann lässt sie die Studierenden machen. „Nach dem ersten ‚Stolpern‘ löst sich die Anspannung“, schmunzelt die Lehrerin. Denn die Freiheit kann durchaus eine Gratwanderung sein und manchen überfordern. Der kreative Prozess kommt aber immer in Gang. Dann entstehen nicht nur Werke, sondern auch Freude. Nach einem solchen „Schaffen“ ist die anschließende Reflexion der Werke mit den Kursteilnehmenden für das Verstehen des eigenen Tuns wichtig.

Neue Wege in der Kreativität

Bevor sie vor etwa 20 Jahren ans IfSB kam, unterrichtete die Gymnasiallehrerin an der DHBW im Fach Grafikdesign. Am IfSB sah sie für sich die Chance, etwas Neues zu entwickeln. Etwas, das die Basis erreicht. „Wir müssen unsere Umwelt gestalten“, ist Isabella Moser überzeugt. Und dies fängt bei den Kleinsten an. Mit ihrem frei gestalteten Kunstunterricht will sie den künftigen Fachkräften in den Kindertagesstätten einen reich gefüllten Werkzeugkasten mitgeben. „Ich benote nicht die Werke, ich beurteile, ob die Auszubildenden wissen, was sie machen“, erklärt sie. Es gehe weniger um das Ergebnis als vielmehr um den Prozess, den Weg. Daher vermittelt sie nicht nach Rezept, sondern zeigt Möglichkeiten auf. Konkret heißt dies, statt dem schnellen Griff zur Heißklebepistole, Materialien andersartig miteinander zu verbinden. Etwa mit Faden oder gesteckt. Isabella Moser spricht beim Thema Materialien auch von Nachhaltigkeit. Einfallsreich kann man zum Beispiel durchaus mit gesammeltem Karton sein. Der ist nicht nur umweltschonender, sondern günstiger als gekaufte Kartonagen.

Bewegungsfreiheit ohne Schablonen

Die Kunstlehrerin sieht sich als Vorbild. Sie will nicht mit Vorgefertigtem, mit Schablonen arbeiten, um das Entwicklungspotenzial der angehenden pädagogischen Fachkräfte zu fördern. Um selbst immer wieder Anregungen zu finden und das Wahrnehmungs- und Sehverhalten von Kindern zu erfahren, begibt sie sich manchmal für eine Woche in einen Hort. Gemeinsam mit den Kindern und Erzieherinnen überlegt sie sich ein Projekt. Beim Erzählen schwärmt sie, dass bereits dabei viel passiert. Beispielsweise konnte die Idee mit dem vorhandenen Ton zu arbeiten, auf Grund des kaputten Ton-Ofens nicht wie gedacht realisiert werden. Alternativ brauchte es ein Medium, das den Ton zusammenhielt. Gewählt wurde Stroh, mit dem er zermatscht wurde. „Die Kinder fanden es zuerst pieksig,“ amüsiert sich Isabella Moser. Doch dann sei es für sie ein Glück gewesen. Ein „Wow-Moment“ für die Kleinen und die Lehrerin.

Spielerisch bleiben beim Experimentieren

Kreativität ist zuweilen Üben der Frustrationstoleranz: Der geformte Turm hält nicht, das Bild ist heruntergefallen, die Farbe tropft unerwünschte Flecken auf das Werk. Solche Situationen lehren auch im übertragenen Sinne, die eigenen Fehler zu akzeptieren, und sie als Herausforderung zu sehen. „Wichtig ist, dass wir spielerisch bleiben,“ so die Kunstlehrerin. Es geht ums zweckfreie Experimentieren. Die angehenden Fachkräfte in Pädagogik arbeiten später in Kinderkrippen, Kindergärten oder im Hort. Diese riesige Entwicklungsspanne müssen sie lernen, zu erfühlen. Um ihr Potenzial zu entwickeln und zu schärfen, stehen durchaus auch Besuche im Museum mit der Kunstlehrerin auf dem Programm.

Einzigartige Kunstwerke

„Ich kann etwas malen und schaffen, was es noch nicht gibt“, hebt Isabella Moser die Einzigartigkeit hervor. Sind viele Menschen zusammen schöpferisch, entsteht eine grenzenlose Vielfalt wie an den Wänden der Kunsträume im IfSB. Isabella Moser malt und zeichnet auch privat viel und ist begeistert von ihrem Beruf und ihrer Aufgabe. „Ich darf mich um die Seelen der Menschen kümmern.“ Außerdem findet sie, dass Kunst so wichtig ist wie Mathe und ein Hauptfach sein sollte. Kunstlehrerin ist für sie der schönste Job. Und dies im Besonderen mit Kindern. Sie sollen auf dem Weg zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern sensibel ihre Sinne entwickeln. Und dann selbst Spuren hinterlassen.

Anne Oschwald

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Beitragsbild: IfSB