Sascha Schmid: „Wir mussten nichts faxen“

Wenn er von Medienentwicklungsplänen, dem Kraftakt der Ausstattung mit den digitalen Tafeln, von den Chancen der Künstlichen Intelligenz (KI) in der Lehre erzählt, schwingt Begeisterung mit. Er hat dabei aber im Blick, dass die Digitalisierung kritisch begleitet werden muss, was für ihn ohnehin eine gesellschaftliche Aufgabe ist. Sascha Schmid hat neben seinen Aufgaben als Lehrkraft im Fachbereich Heilpädagogik die Stabsstelle für digitales Lernen am Institut für Soziale Berufe (IfSB) Ravensburg inne.

Umfangreicher Prozess

Seit diesem Frühjahr sind im IfSB Ravensburg und den anderen Standorten digitale Tafeln im Einsatz. Ein Kraftakt, bedenkt man, dass deren Einbau während des Lehrbetriebs über die Bühne ging. Es musste ein Bauzeitenplan her. Handwerker mussten koordiniert werden, Elektriker für die Anschlüsse ebenso wie Maler, die nötige Ausbesserungen vornehmen sollten. In Abstimmung mit dem Bauzeitenplan mussten an allen Standorten Schulungstermine für die Lehrkräfte eingeplant werden. Der Tausch von Unterrichtsräumen war nötig, nicht nur wegen des Einbaus, sondern auch für die Inbetriebnahme der Geräte. Lapidar sagt Schmid: „Es war eine anstrengende Zeit.“ Zumal man auch den langen Prozess davor mitberücksichtigen muss, in dem das Kollegium unter anderem mit Befragungen intensiv miteinbezogen wurde und alternative Ausstattungskonzepte und Geräte mit der IT getestet wurden.

Erfahrungen begeistern

Sascha Schmid selbst sammelte erste Erfahrungen mit virtuellen Kursumgebungen und Live-Online-Unterricht als wissenschaftliche Hilfskraft in einem Master-Online-Studiengang an der Universität Stuttgart. Seine Begeisterung für das Feld war geweckt. Er absolvierte ein Studium der Gesundheitsförderung mit Schwerpunkt Soziologie (M.A.) und Psychologie (M.Sc.) mit der Spezialisierung Psychologie im Straf- und Maßregelvollzug.

Auch digital gut aufgestellt

Gut aufgestellt war das IfSB schon vor der Pandemie. Als sie über die Welt hereinbrach, konnten Schmid und sein Kollegium auf viele digitale Errungenschaften setzen. „Wir mussten nicht faxen,“ scherzt er. Die Arbeits- und Lernaufträge konnten unmittelbar digital vergeben werden, weil Lernplattformen wie Moodle und Padlet bereits implementiert waren. Er machte sich zuvor als Verantwortlicher für die Digitalisierung kundig, besuchte Bildungsmessen und erhielt nicht zuletzt von der damaligen Institutsleitung grünes Licht, die Digitalisierung im Haus stark zu forcieren. Insbesondere im Fachbereich Heilpädagogik konnten durch die hervorragende Zusammenarbeit mit der Schulleiterin Heidi Fischer Online-Kurse etabliert werden. Hilfreich war auch der Digitalpakt der Bundesregierung, die Investitionen in Digitalisierung in der Bildung Gelder freisetzte. Sascha Schmid schrieb den geforderten Medienentwicklungsplan, etwa mit der Begründung welche Medien gebraucht werden und warum. Nicht alles hätte mit Beginn der Pandemie dann von jetzt auf nachher gut funktioniert. Das System sei, wie anderswo, nicht durchgehend stabil gewesen, das WLAN teilweise überfordert. Daher ist er froh, wenn der Betrieb demnächst über Glasfaserkabel vonstattengeht. „Aber wir waren bei Corona bestens aufgestellt.“ 

Weiterbildungsplattform für Lehrkräfte

Lernen ist an sich schon komplex, digitales Lernen und Lehren ist noch komplexer. Die Auszubildenden arrangieren sich in der überwiegenden Zahl gut mit dem digitalen Lernen. Etwa schätzen viele, dass zur Prüfungsvorbereitung die Unterlagen strukturiert auf der Lernplattform Moodle zu finden sind. Außerdem ist für viele auch interessant, dass sie nicht grundsätzlich vor Ort sein müssen und sich den ein oder anderen Anfahrtsweg sparen können. Lernen muss aber auch das Kollegium. Um es einzubinden und zu unterstützen, ist Sascha Schmid mit Multiplikatoren aus den verschiedenen Fachbereichen und der IT-Abteilung im regelmäßigen Austausch. Sie machen sich Gedanken über neue Konzepte und Fortbildungen und erfassen auch Trends und Entwicklungen. Wichtig ist unter anderem, die Lehrkräfte für die digitale Bildung zu qualifizieren. Hierfür schaffte sich das IfSB eine Lizenz der Fobizz-Plattform an. Fobizz ist ein digitales Fortbildungszentrum für Lehrkräfte rund um IT, Medien und Digitalisierung. Auf dieser Plattform werden digitale, qualitativ hochwertige Fortbildungen und Tools angeboten. Das Kollegium hat insgesamt an 226 Stunden dieser digitalen Angebote teilgenommen. Dafür hat das IfSB das digitale Fobizz-Gütesiegel 2022 erhalten.

Künstliche Intelligenz im Schulalltag

Dann zeigt Sascha Schmid, wie die digitale Tafel zum Einsatz kommen kann. Er führt vor, wie man das Gerät als Tafel nutzt, wie etwa Textbausteine und Bilder bearbeitet werden, wie Dokumente hochgeladen werden oder wie Lernende sich von ihrem Platz aus über den QR-Code einloggen und zum Beispiel ihre Arbeiten präsentieren können. Dann wechselt er zur Künstlichen Intelligenz. Er stellt eine fiktive Aufgabe, die lautet: Wie könnte ein Bildungsangebot mit KI-Einsatz für Menschen mit Assistenzbedarf aussehen? Im geöffneten Chatbot ChatGPT gibt er  sogenannte Prompts ein. Wie von Geisterhand schreibt das Programm den Text auf, macht dabei nach Aufforderung automatisch eine Auflistung in drei Unterpunkten. Eine erste Hilfe. Mehr nicht. Sie kann das Studium von Fachliteratur und eigenständige Überlegungen zum Praxistransfer nicht ersetzen, untermauert der Dozent und IT-Experte.

Jede Stufe ist spannend

Noch spannender wird es beim Thema Virtuelle Realität (VR). 20 VR-Brillen sind im IfSB derzeit im Einsatz. Sascha Schmid beschreibt, was damit alles möglich sein wird. Simulationstrainings aus verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens könnten mit VR geübt werden, wie etwa Monitoring, Medikamentengabe oder Deeskalation. Die Gestik und Mimik der fiktiven Person verändert sich, die angehende Pflegekraft bekommt Reaktionen direkt zurückgespiegelt. Bereits Realität sind auch therapeutische Anwendungen oder das Thema Entspannung in virtuellen Umgebungen. Für Betroffene, die zum Beispiel nicht mehr sehr mobil sind, eröffnen sich ebenfalls ganz neue Perspektiven. Sie können Ausflüge machen, tauchen dabei ein und erleben die Reise unmittelbar wie im richtigen Leben.

Spannend bleibt immer die Frage, wie die Gesellschaft und mit ihr die Bildungseinrichtungen Digitalisierung nutzbar machen.

Bild Sascha_Schmid:

Sascha Schmid ist am Institut für Soziale Berufe (IfSB) Ravensburg Lehrkraft im Fachbereich Heilpädagogik. Außerdem besetzt er die Stabsstelle für digitales Lernen an der Lehreinrichtung.

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